Wenn herkömmliche Verfahren nicht ausreichen, das Gewicht dauerhaft zu reduzieren, können chirurgische Verfahren angewandt werden.
Verschiedene Operationstechniken am Magen können dazu dienen, einen langfristigen Erfolg bei der Gewichtsreduktion zu erzielen. Der Patient sollte bereit sein, danach seine Ernährungs- und Lebensgewohnheiten zu ändern.
Im St. Johannis-Krankenhaus werden seit dem Jahr 2000 bariatrische Operationen durchgeführt.
Prof. Dr. med. Rückert hat in den Jahren 2000 – 2005 unter anderem mehr als 100 offene Magenbypass-Operationen vorgenommen.
Nach seinem Ausscheiden Mitte 2005 hat Dr. med. Harald Schultz die Chirurgische Abteilung des St. Johannis-Krankenhauses übernommen.
Am Klinikum der Stadt Ludwigshafen hat er als Oberarzt viele Erfahrungen mit minimal invasiv-chirurgischen Eingriffen gesammelt. In dieser Zeit hat er bei zahlreichen Patienten Magenbänder laparoskopisch implantiert.
In Landstuhl werden seit August 2005 alle bariatrischen Operationen laparoskopisch durchgeführt. Bis Ende Dezember 2009 waren es 141 bariatrische Operationen (Magenbypass, Magenband Schlauchmagen).
Seit 2010 werden alle Operationen im Rahmen der Qualitätssicherungsstudie der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Adipositas erfasst.
Das OP- und das Pflegepersonal ist erfahren im Umgang mit den stark übergewichtigen Patienten. Die Infrastruktur ist für Patienten bis 200 kg Körpergewicht ausgelegt.
Im St. Johannis-Krankenhaus werden alle gängigen operativen Methoden zur Gewichtsreduktion angeboten:
Magenband
laparoskopisch mit 4 Zugängen, OP-Dauer ca. 30 min. – problemlose Entfernung möglich
Das laparoskopisch implantierbare verstellbare Magenband wird direkt unter den Mageneingang im Anschluss an die Speiseröhre platziert und teilt den Magen in einen kleinen Vormagen und den Hauptmagenanteil. Ist der Vormagen, der nur ein sehr kleines Volumen aufweist gefüllt, entsteht ein Sättigungsgefühl. Der Durchlass des Magenbandes kann über ein Portsystem durch Befüllen oder Entleeren verändert werden.
Da es sich um ein rein restriktives Verfahren handelt, sind Mangelerscheinungen fast ausgeschlossen. Der große Nachteil des Magenbandes ist die Möglichkeit, es durch Verzehr von Flüssigem oder Breiigem zu „überlisten“, da diese Nahrungsmittel das Band meist ungehindert passieren können.
Schlauchmagen
laparoskopisch mit 4 Zugängen, OP-Dauer ca. 45 min. – ein großer Magenteil wird entfernt, nicht reversibel
Der Schlauchmagen war ursprünglich nicht als eigenständige Operation zur Gewichtsreduktion gedacht, sondern als erste Maßnahme bei extrem Übergewichtigen vor dem Bypass oder dem duodenal switch.
Es stellte sich aber heraus, dass die Patienten auch mit dem alleinigen Schlauchmagen (sleeve gastrectomy) so gut abnehmen, dass eine weitere operative Maßnahme in vielen Fällen nicht notwendig wurde. Bei der Operation muss auf einen ausreichend schmalen Schlauch geachtet werden. Eigentlich handelt es sich auch um ein rein restriktives Verfahren. Im Gegensatz zum Magenband ist allerdings keine Beeinflussung von außen möglich. Darüber hinaus kommt es zu einer drastischen Reduktion der Ghrelinproduktion (ein Hormon, das für die Empfindung von Hungergefühl bedeutsam ist), die neben der Verminderung der Aufnahmefähigkeit des Magens mit für den Gewichtsreduktionserfolg steht.
Oft stellt sich bei den Patienten ein Reflux ein, der langfristige Einnahme von Protonenpumpenblockern notwendig macht.
Magenbypass
laparoskopisch mit 5 Zugängen, OP-Dauer ca. 70-90 min. – nur schwer rückgängig zu machen
Der Magenbypass ist ein Verfahren, das Restriktion und Malabsorption kombiniert. Das Hauptgewicht liegt dabei auf der Restriktion. Allerdings ist auch die Aufnahme von Nährstoffen soweit vermindert, dass eine dauerhafte Nahrungsergänzung von Vitaminen und Mineralstoffen erforderlich wird.
Bei der Operation wird ein kleiner Magenteil vom Restmagen abgetrennt, der dann mit einer ausgeschalteten Dünndarmschlinge verbunden wird. Bei dieser Operation wird die Passage des Zwölffingerdarmes und des oberen Dünndarmes ausgeschlossen, was für die malabsorptive Komponente sorgt.
Der Gewichtverlust ist meist deutlich besser, als bei den restriktiven Verfahren. Auch der Erfolg in dem Verschwinden von Begleiterkrankungen, die mit dem Übergewicht einhergehen, ist größer und anhaltender – insbesondere beim Diabetes.
Biliopankreatische Diversion
laparoskopisch mit 5 oder 6 Zugängen, OP-Dauer 90-120 min
Bei der biliopankreatischen Diversion (Scopinaro) liegt das Hauptaugenmerk auf der erheblichen Malabsorption. Der Magenpouch wird deutlich größer belassen, als beim Magenbypass und es werden große Anteile des Dünndarms gebypasst. Die Zuleitung der Verdauungsenzyme über den biliopankreatischen Schenkel geschieht erst 50 bis 75 cm vor dem Ende des Dünndarmes. Dadurch ist die kalorische Aufnahmefähigkeit des Darmes auf etwa 1.500 kcal beschränkt. Die Gefahr von Mangelzuständen ist hoch und die eingeschränkte Fettverdauung führt zu Durchfällen und zu starken Blähungen. Die Abnehmerfolge sind mit dieser Methode auch im Langzeitverlauf am Besten.
Magenballon
Einbringen und Entfernen über eine Magenspiegelung – ca. 30 min. Der Ballon wird mit Luft gefüllt.
Der Magenballon ist eine temporäre Maßnahme der Restriktion (für 6 Monate). Durch den Volumenverlust des Magens kommt es zu einem Abnehmerfolg in unterschiedlichem Ausmaß.
Wenn in dieser Zeit die Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden, kann daraus ein anhaltender Gewichtsreduktionserfolg resultieren.
Oft wird diese Methode als vorbereitende Maßnahme bei massivem Übergewicht (BMI> 60) eingesetzt.
Dieses Verfahren ist eine Leistung der Internistischen Abteilung im St. Johannis-Krankenhaus.