Von Lucia Clasen
Mit glänzenden roten Kugeln und Strohsternen ist die Tanne liebevoll geschmückt. Gemeinsam mit den beiden großen, bunten Engelfiguren aus Holz verleiht sie dem Besucherzimmer im St.- Johannis-Krankenhaus in Landstuhl eine weihnachtliche Atmosphäre. Noch sind die vielen Stühle um die runden Tische verwaist. „Aber an Weihnachten wird das hier ganz anders aussehen', prophezeit Petra Silzer, leitende Hebamme der Entbindungs- und Wochenstation.
„Der Besuchsraum, unser wunderschöner Wintergarten, wird an den Feiertagen von Patientinnen und deren Besuchern genutzt", erzählt Silzer. „Bei Kaffee und Weihnachtsplätzchen macht man es sich hier gemütlich und feiert Weihnachten eben etwas anders."
Für Petra Silzer und ihre 27 Kolleginnen und Kollegen bedeutet arbeiten über Weihnachten nichts Neues. „Natürlich hätte jeder gerne frei zu Weihnachten, vor allem, wenn er selbst Familie hat. Aber wenn man sich für diesen Beruf entschieden hat, gehört es selbstverständlich dazu, auch an Sonn- und Feiertagen für den Patienten da zu sein."
Dann erzählt die dienstälteste Hebamme im Landstuhler Krankenhaus von der ganz besonderen Atmosphäre, die zur Weihnachtszeit auf der Station herrscht: „Es wird richtig ruhig und friedlich, was sich auch auf die Patienten überträgt. Die Diensttelefone stehen fast still. Es müssen nur akute Fälle behandelt werden, und wir geben unser Bestes, um unseren Patientinnen und uns selbst die Festtage feierlich zu gestalten.' Blühende Weihnachtssterne, stimmungsvolle Lichterketten und weihnachtliche Gestecke, die den ansonsten nüchtern wirkenden Fluren der Station weihnachtliches Flair verleihen, unterstreichen ihre Worte. Im Schwesternzimmer lädt eine große Schale mit leckeren Weihnachtsplätzchen zum Naschen ein.
Vorbei ist es allerdings mit der beschaulichen Ruhe, wenn sich ein neuer Erdenbürger ankündigt. So zum Beispiel am 21. Dezember, als der kleine Tom, das 800. Baby der Entbindungsstation, das Licht der Welt erblickte. „Eigentlich sollte er ja ein richtiges Christkind werden und am 24. Dezember zur Welt kommen, aber er wollte wohl doch nicht mehr warten.' Kerstin Hollinger ist überglücklich über die Geburt ihres ersten Kindes.
Nach ihrem Kaiserschnitt wird sie voraussichtlich fünf bis sieben Tage im Krankenhaus bleiben, muss somit die Feiertage im Krankenzimmer verbringen. „Es ist schon ein komisches Gefühl, dass ich an Weihnachten nicht zu Hause bin", meint die junge Mutter etwas traurig, wird aber gleich von ihrem Mann Kristian getröstet, der ihr verspricht, alle Geschenke mit in die Klinik zu bringen. „Und wir können ja noch so viele Weihnachtsfeste gemeinsam zu Hause feiern", muntert er seine Frau auf.
Aber nicht jeder hat die Möglichkeit, das schönste Fest des Jahres im Kreise seiner Lieben zu verbringen. So suchten sich alleinstehende Frauen oft ganz bewusst die Advents- und Weihnachtszeit für anstehende gynäkologische Eingriffe aus, berichtet Chefärztin Monika Mader. „Diese Frauen entgehen so dem Alleinsein an den Feiertagen und sind bei uns gut aufgehoben." Auch berufstätige Frauen, die möglichst wenig an ihrem Arbeitsplatz ausfallen wollen, lassen Operationen vor Weihnachten ausführen, um dann nach den Feiertagen schnellstmöglich wieder in den Beruf zurückkehren zu können.
Erschienen am 24. Dezember 2008, in DIE RHEINPFALZ, Ausgabe "Pfälzische Volkszeitung"