Ein Samstagvormittag in der Notfallambulanz im St.-Johannis-Krankenhaus - Wochenenddienst für Ärzte und Pflegepersonal
Von Doris Theato
Leise und unaufgeregt kommt der Sanitäter in das Herzstück der Notfallambulanz. Kurze, ruhige Worte, die Schwester ist im Bilde: Im Krankenwagen befindet sich eine Frau mit Rückenbeschwerden. Ein Bandscheibenvorfall? Der Gang zur Röntgenabteilung wird vorbereitet.
Wochenendalltag in der Notfallambulanz im Landstuhler St.-Johannis-Krankenhaus. Zwei Schwestern, ein Krankenpfleger, ein Chirurg und ein Orthopäde sind im Einsatz. Der Internist wird derzeit nicht gebraucht, der Gynäkologe auch nicht. Beide sind in der Weite des Krankenhauses per „Piepser" erreichbar. Der Monitor zeigt im Warteraum rege Betriebsamkeit und volle Wartestühle. Deutlich erkennbar fährt der Rollstuhl mit der Patientin aus dem Krankenwagen vorbei.
„Es sind nicht alles Notfälle. Wir bestellen für Samstag auch Patienten zum Verbandwechsel ein." Susanne Schwarz - „Bereichsleiterin" ist auf dem Schild ihres Schwesternkittels zu lesen - schätzt die Vorzüge der Monitore und den damit verbundenen besseren Überblick. Den hat sie allemal und die nötige Ruhe dazu.
Michael Koll, der Krankenpfleger mit der vertrauensvollen Ausstrahlung, kommt von den Wartenden. Ein Krankenblatt landet unter einem blauen Klemmbrett, das Brett dann an Kabine drei. Dahinter wartet die gezogene Krampfader. Ein Fall für den jungen Assistenzarzt Marco Merai. Alles mit blauem Klemmbrett ist sein Bereich. Rot gehört dem Orthopäden. Steckt der Zettel am schwarzen Brett, wird der Internist gebraucht. Silber fordert den Gynäkologen. Alles hat hier seine Ordnung.
„Der Patient lässt sich nicht behandeln!" Orthopäde Mark Newmann kommt aus Kabine eins. Drinnen ein nachdenklicher Patient: Das Knie ist dick, die Schmerzen sind ordentlich. Eine Punktion, wie vom Arzt vorgeschlagen, kommt für ihn jedoch - warum auch immer - nicht in Frage. Ein Fall für den Computer. Der Orthopäde verbringt lange vor der Tastatur, schreibt einen Bericht. Den muss der Patient unterschreiben, bevor er mit seinem immer noch schmerzenden Knie nach Hause geht.
Die Bandscheibe kehrt vom Röntgen zurück. Warten ist angesagt: Die Kabinen sind belegt. Ein Verbandswechsel findet auf einem der möglichen OP-Tische statt. Dominic Schwager - ein Patient, der Personal und zahlreiche OP-Räume zur Genüge kennt - ist die Ruhe in Person. Schwester Susanne verbindet das malträtierte Fußgelenk. Ein böser Arbeitsunfall hat den Mann vor über einem Jahr aus sechs Metern Höhe vom Dach gefegt. „Es hätte ganz anders ausgehen können", weiß sie.
Der Orthopäde schaut sich derweil die Röntgenbilder von Kabine zwei an. Auf den ersten Blick ist eher ein Schraubenlager denn eine Wirbelsäule zu sehen. Die Patientin wurde nicht im St.-Johannis-Krankenhaus operiert und sucht nach einem Sturz nun Hilfe in der Notfallambulanz. Dem Arzt fehlt als Vergleich der Zustand vor dem Sturz. Es läuft auf einen Anruf beim Operateur hinaus.
Ulrike Mattheiß, die Krankenschwester in Hellgrün, verbindet geschickt eine Kreissägenverletzung. Die Sicherheit der Schwestern und des Pflegers entlastet die Ärzte. Und das sagen sie auch. Dagegen gibt weder Chirurg noch Orthopäde zu, dass der 24-Stunden-Dienst gegen Ende zur Überlastung führen kann. Nein, das gehe schon. Zwischendurch finde man immer mal ein wenig Ruhe. Außerdem sei ein frischer Hintergrunddienst greifbar, ist zu hören. Gut zu wissen, dass wenigstens die Schwestern und Pfleger nach einem achtstündigen Dienst nach Hause gehen.
Während der „Schiefhals" sein Krankenblatt an Kabine eins bekommt, findet Susanne Schwarz Zeit, sich kurz zu setzen. Die Wege sind weit, der Schritt angepasst flott und die Anspannung meist schwer. „Inliner, das wäre manchmal gut", meint sie. Dabei ist es ein ruhiger Samstagvormittag. Kein Vergleich mit Tagen nach Kirmes, bei Fußballspielen oder wenn das Wetter Lust auf Heimwerken macht. „Von der Leiter gestürzt, mit der Säge abgerutscht, ausgerenkte Schultern", werden die typischen Notfälle genannt. Seit es die großen Gartentrampoline gibt, sehen die Schwestern zusätzlich viel zu viele kleine Kinder mit schlimmen Verletzungen. Einziger Vorteil: Die kleinen Unglücksraben oder auch Patienten mit blutenden Wunden, die kommen, wenn möglich, sofort dran.
Auf das Gesicht der Frau mit den Rückenschmerzen ist das Lachen zurückgekehrt. Vor knapp zwei Stunden kam sie mit dem Krankenwagen an. Nun marschiert sie, ein bisschen blass noch, aber aufrecht, dem Ausgang zu. Eine Spritze unter den Augen des Röntgenapparates, hinein in die Wirbelsäule, wirkt Wunder. Schade, dass die Notfallambulanz nicht jeden Fall so fein lösen kann.
(Quelle: Die RHEINPFALZ, Pfälzische Volkszeitung, Montag, 26. Oktober)