Wenn das Funkgerät von Tobias Flöser piept, lässt er alles stehen und liegen. Der Notarzt weiß, dass er schnell zum Einsatzort kommen muss, denn oft genug entscheiden wenige Sekunden über das Schicksal des Patienten. Von der Pforte des Landstuhler St.-Johannis-Krankenhauses geht es in größter Eile mit dem Einsatzfahrzeug zum Ort des Geschehens.
„Man weiß nie genau, was da auf einen zukommt", sagt der 44-jährige. Über die Durchsage erfährt er den Einsatzort, ein verschlüsselter Code liefert ihm grobe Informationen zum Notfall. „Dort angekommen muss ich innerhalb kürzester Zeit beurteilen, ob die Menschen, von denen ich keine Vorgeschichte kenne, vital bedroht sind', berichtet er.
Unter enormem Zeitdruck müsse er sinn- und wirkungsvolle Hilfe leisten, ohne dass er einen Krankenhausapparat mit all seinen Möglichkeiten in der Hinterhand habe, berichtet Flöser aus seinem Berufsalltag.
„Die damit verbundene Aufregung legt sich nach einigen Jahren", sagt der Mediziner, der seit 15 Jahren als Notarzt tätig ist. „Man wird abgeklärter, obwohl es auch immer wieder Notfälle gibt, die mich besonders betroffen machen und an die Belastungsgrenze gehen."
Bewusst hat er sich während seiner Ausbildung zum Facharzt für Anästhesie und durch die Teilnahme an zwei Zusatzqualifikationen dazu entschieden, in solchen Notsituationen Verantwortung zu übernehmen. „Eine gewisse Angst ist da, weil es auch Extremsituationen geben kann, die nicht zu beherrschen sind, aber da gilt es zumindest Grundstrukturen zu schaffen", sagt er.
Obwohl Flöser zusätzlich in Verwaltungsaufgaben des Landstuhler Krankenhauses eingebunden ist, leistet er monatlich vier bis sechs 24-Stunden-Notdienste. Er fährt knapp fünf Einsätze an einem Tag, von denen über 90 Prozent eine internistische Versorgung erfordern. Den Ausgleich zu seiner Arbeit findet der Ehemann und Vater von zwei Kindern innerhalb der Familie, wo er aufgefangen wird und abschalten kann. Ebenso hilft ihm der Austausch mit den anderen Helfern bei der Aufarbeitung von Extremsituationen. Wann immer es ihm möglich ist, erkundigt sich Tobias Flöser außerdem bei seinen Kollegen nach dem weiteren Schicksal der Notfall-Patienten. (lmo)
(Quelle: Die RHEINPFALZ, Pfälzische Volkszeitung, Mittwoch, 25. November)