St. Johannis-Krankenhaus Landstuhl

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Aus dem Leben gehen

veröffentlicht um 25.11.2009 03:15 von Melanie Müller von Klingspor   [ aktualisiert 25.11.2009 03:24 von Vitalij Lubeschanin ]

Der November ist der Monat, der dem Gedenken an die Verstorbenen gewidmet ist. Die Menschen, die auf der Palliativstation des St. Johanniskrankenhauses in Landstuhl arbeiten oder als Hospizhelfer im Landkreis tätig sind, setzen sich an jedem Tag des Jahres mit dem Sterben auseinander.

Von Doris Theato


Viele Sterbende wünschen sich, ihre letzten Tage und Stunden mit vertrauten Menschen im gewohnten Lebensumfeld zu verbringen. Besonders dann, wenn eine lange Krankengeschichte mit körperlichen und seelischen Leiden hinter ihnen liegt. Eine Zeit, in der andere weitgehend bestimmt haben, was zu geschehen hat. Ist die Phase der Hoffnung oder des Kampfes gegen eine Krankheit beendet, beginnt das Sterben und der Wunsch nach dem Zuhause.

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts starben die meisten Menschen zu Hause. Mit der Intensivierung der Palliativmedizin, die versucht, die Beschwerden unheilbar kranker Menschen zu lindern, können sich heute wieder mehr Menschen diesen Wunsch erfüllen. Unterstützt werden sie dabei auch von der Hospizbewegung, die Mitte der 1960er-Jahre entstand.

„Hospiz ist ein ganzheitliches Unterstützungskonzept für sterbende Menschen und ihre Angehörigen", erläutert Ursula Zirkel vom ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Kusel-Ramstein-Landstuhl. Nur über die ganzheitliche Betrachtung des Patienten könne es gelingen, Symptome und damit die Schmerzen bei einem Sterbenden in den Griff zu bekommen. Die Betreuung zu Hause funktioniere aber nur im Team mit Hausärzten, Pflegediensten, Seelsorgern, Therapeuten, ehrenamtlichen Hospizhelfern und den hauptamtlichen Hospizschwestern. Bei den Hospizschwestern handelt es sich um ausgebildete Krankenschwestern mit Zusatzqualifikationen in Palliativer Pflege. Diese Weiterbildung ist notwendig, um körperlichen Beschwerden, die im Zusammenhang mit dem Sterbeprozess auftreten, begegnen zu können.

Die geschulten ehrenamtlichen Hospizhelfer lassen sich immer nur auf eine zu betreuende Familie ein. Da komme es vor, dass ein Sterbender lieber mit der Hospizhelferin seine Beerdigung regelt als mit den Angehörigen. Ursula Zirkel sagt: „Es geht letztendlich darum, die letzten Tage mit Leben zu füllen und für Lebensqualität bis zum Tode zu sorgen." Das Entscheidende bei der Betreuung eines Sterbenden und seiner Familie sei deshalb stets die Frage „Wer braucht zur Zeit gerade was?". Dabei gehe es weniger um das Sprechen über das Sterben. Im Gegenteil, gerade in der Sterbephase würden sich viele Menschen sehr intensiv mit dem Leben auseinandersetzen. Dann würden Lebenspläne, Erinnerungen sowie Unerledigtes ausgebreitet.

Jeder Mensch stirbt anders, durchlebt eine andere Sterbephase. Dem müssen sich die Hospizschwestern in jeder Familie neu stellen. Keine leichte Aufgabe, an deren Abschluss unweigerlich ein Abschied für immer steht. Sie müssen lernen, wo für sie selbst die verkraftbare Grenze zwischen Nähe zur Familie, zum Sterbenden und der erforderlichen Distanz liegt. Kraft schöpfen die Hospizschwestern aus Sätzen, in denen die Familien sich dafür bedanken, dass der Sterbende harmonisch aus dem Leben verabschiedet wurde. Und sie schöpfen Kraft aus dem Miteinander aller Beteiligten.

Den Menschen im Ganzen und nicht nur als Patienten zu sehen, das steht auch auf der Palliativstation im St. Johanniskrankenhaus in Landstuhl im Vordergrund. In enger Vernetzung arbeitet das Team der Station, bestehend aus Ärzten, Schwestern, Psychologen, Therapeuten und den Seelsorgern, mit den Hospiz- und Palliativdiensten in der Region zusammen. Diese einzige Palliativstation in der Westpfalz hat zurzeit fünf Betten. Beim Land läuft ein Antrag, diese auf sieben Betten ausweiten zu können.


Die Station befindet sich zwar im St. Johanniskrankenhaus, ist aber gewollt anders. Die Dekorationen spiegeln die Jahreszeiten wider, ab und an gibt es Vernissagen mit betont lebendigen Bildern. Auf solchen Veranstaltungen werden auch manchmal Spenden gesammelt, die dann in eine gemütliche Küche oder ein kleines Wohnzimmer fließen - Räume, die den Patienten und ihren Angehörigen zur Verfügung stehen.

Der Chefarzt für Innere Medizin, Dr. Hans-Jürgen Gabriel, hat bereits in den 1990er-Jahren den Bedarf für die Palliativmedizin erkannt und im Land den Antrag auf eine solche Station gestellt. 2004 konnten 120 Menschen betreut werden. Am Ende dieses Jahres werden es über 350 Patienten sein, mit einer durchschnittlichen „Verweildauer" von acht bis zehn Tagen. „Die Patienten kommen zu uns nicht, um zu sterben. Palliativ ist Medizin fürs Leben. Heilung ist auf dieser Station nicht der Anspruch. Unser Ziel ist die Linderung von Schmerzen", so Gabriel, der genau wie seine Mitarbeiter die Arbeit auf der Palliativstation ganz bewusst ausführt. Die unheilbar kranken Menschen, sei es durch Tumore, Lungenerkrankung, Aids oder neurologische Beschwerden, werden auf der Station stabilisiert. Mithilfe einer Schmerztherapie werden sie so eingestellt, dass sie nach Hause entlassen und dort von den Hospizdiensten betreut werden können. Der Patient weiß, dass eine Wiederaufnahme auf die Station stets möglich ist.

Wenn es gelingt, die Lebensqualität sichtbar zu verbessern und ein Patient der Schwester oder dem Arzt gegenüber äußert, dass jeder Tag ein lebenswerter Tag sei, dann schöpfe das Team daraus die dringend benötigte Kraft, um die enorm belastende Arbeit durchzustehen. „Wir arbeiten ja nicht ins Leere. Die Patienten und ihre Angehörigen geben uns ganz viel zurück." Krankenschwester Petra Fatscher drückt aus, was wohl alle Mitarbeiter der Station empfinden. Außerdem helfe allen die Gewissheit, dass keiner die Verantwortung alleine trägt. Hinzu kommen die Gespräche untereinander und mit der Psychologin. Dort können sie sich austauschen, um die Schwere ihres Berufes zu tragen.
 
(Quelle: Die Rheinpfalz, Pfälzische Volkszeitung, Marktplatz, Mittwoch, 18. November 2009)